Zuflucht geben – gemeinsam hoffen

Ausstellung zum Kirchenasyl vom 21. September bis 6. Oktober in der Kirche Liebfrauen-Überwasser, Überwasserkirchplatz 4, 48143 Münster (Innenstadt)

Ich war so glücklich, als ich ins Kirchenasyl aufgenommen wurde. Aber es war auch eine schwere Zeit.“ (Raad)

Ich weiß nicht, was ohne das Kirchenasyl aus mir geworden wäre.“ (Javad)

Den Tag, an dem das Kirchenasyl endete, werde ich nie vergessen, denn ich fühlte mich frei. Es war so ein Aufbruchsgefühl.“ (Rauan)

Die vom Netzwerk Kirchenasyl Münster erstellte (Wander-)Ausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ zeigt die Perspektive von Geflüchteten, die im Kirchenasyl sind und waren. Neun Portrait-Fotos mit Texten über die Fluchtgeschichte und Erfahrungen von Familien und Einzelpersonen im Kirchenasyl sind auf Roll-Ups gedruckt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen also Menschen auf der Flucht, die ihre Erfahrungen der Entrechtung erzählen und darin als Subjekte ihres Handelns vorgestellt werden. Zudem gibt es drei weitere Roll-Ups über die Praxis des Kirchenasyls und mit Zitaten von in der Kirchenasylarbeit engagierten Personen.

Was für ein Kirchenasyl benötigt wird, lässt sich prägnant zusammenfassen: Bett, Brot und Beziehungen. Dies wird in einer Installation orangener Möbel ausgedrückt: einem Bett, einem Tisch und einem Stuhl. Zudem wird eine Installation einer Schwimmweste gezeigt, die auf das Sterben von Menschen auf der Flucht aufmerksam macht. 

Die Ausstellung richtet sich an Interessierte, um sie für die Geschichten und Erfahrungen der vorgestellten Geflüchteten zu sensibilisieren. Ebenso sollen Berührungsängste angesichts der zunehmend angespannten migrationspolitischen Situation bei den Besucher:innen der Ausstellung überwunden werden, um sich mit Migration und Abschiebungen auseinanderzusetzen. Das Kirchenasyl wird hierbei als eine mögliche christliche Praxis der Gastfreundschaft von Gemeinden vorgestellt.

Die Ausstellung ist von Aktiven aus der Kirchenasylarbeit im Münsterland konzipiert und umgesetzt worden. Die Portrait-Fotos wurden von einem Künstler aufgenommen, der selbst Fluchterfahrung hat.

Begleitend zur Ausstellung finden folgende Veranstaltungen in der Kirche Liebfrauen-Überwasser statt:

Samstag, 21.09.2024, 17:00 Uhr: Eröffnungsgottesdienst mit Einführung in die Ausstellung

Dienstag, 24.09.2024, 18:00 Uhr: Kirchenasyl – Menschenrechtsschutz unter Druck

Podiumsgespräch

Die Zuflucht von Menschen, die von Abschiebung bedroht sind, in Kirchengemeinden wird zunehmend erschwert. Grund hierfür ist die massive Zunahme von Abschiebungen in NRW. Zugleich gehen Ausländerbehörden gegen das Kirchenasyl immer wieder vor und drohen mit gewaltsamen Räumungen. Um so ermutigender ist es, dass es eine steigende Anzahl von Kirchengemeinden gibt, die Kirchenasyl organisieren und einen Schutzraum eröffnen. Was wird für ein Kirchenasyl benötigt? Wie können Gemeinden und Engagierte ermächtigt werden, Kirchenasyl auf die Beine zu stellen?

Es diskutieren Engagierte aus der Kirchenasylarbeit, Betroffene aus dem Kirchenasyl und Kirchenvertreter:innen miteinander.

Freitag, 27.09.2024, 19:30 Uhr: Ecce Homo – seht da den Mensch! 

Musikalische Lesung

Das Grundgesetz und damit auch der Artikel 1, nachdem die Würde des Menschen unantastbar ist, feiert in diesem Jahr sein 75 jähriges Bestehen. An diesem Abend möchten wir anhand ausgesuchter Flüchtlingsschicksale an die Würde jedes Menschen erinnern, auch und gerade an diejenigen, die sich wegen Krieg, politischer Verfolgung, Vertreibung u.a. Gründen auf die Flucht begeben mussten und bereits mit dem ersten Schritt auf ihrem lebensgefährlichen Weg das „Menschsein“ gegen das Stigma des „Flüchtlings“ eintauschen mussten. 

Ruth Koch, Sebastian Aperdannier, Christiane Berg – Rezitation; Jutta Bitsch – Musik

Montag, 30.09.2024, 18:00 Uhr: Solidarität über Grenzen hinweg: An der polnisch-belarussischen Grenze und im Kirchenasyl

Vortrag und Diskussion

Die Situation von geflüchteten Menschen an den EU-Außengrenzen hat sich in den letzten Jahren zugespitzt. An der polnisch-belarussischen Grenze wird seit Jahren brutal gegen Flüchtlinge vorgegangen. Eine Menschenrechtsaktivistin aus der Grenzregion wird über die Bedingungen und ihre Praxis berichten. In NRW gibt es zahlreiche Kirchenasyle, die Abschiebungen von in Polen registrierten Geflüchteten verhindern sollen. Ein Geflüchteter aus Syrien, der massive Gewalt in Polen erfahren hat und nun im Kirchenasyl war, wird berichten. Gemeinsam werden wir diskutieren: Wie gehen die Solidaritätspraxis an der polnisch-belarussischen Grenze und im Kirchenasyl bei uns Hand in Hand, um Rechte durchzusetzen.

Die Ausstellung und das Veranstaltungsprogramm wird getragen vom Netzwerk Kirchenasyl Münster, dem Ökumenischen Netzwerk Asyl in der Kirche NRW, den Katholischen Frauen Deutschland (KfD) im Bistum Münster und Maria 2.0 Münster Hl. Kreuz. Ermöglicht wird die Ausstellung mit Unterstützung von den Pfarreien Liebfrauen-Überwasser Münster und St. Sixtus Haltern am See.